Der letzte Eintrag
Ein Ruhrpott-Krimi
von Franka Steinbach
Eine alte Frau kauft jede Woche ein Grablicht für ein Grab, das es nicht gibt. Niemand fragt mehr, warum.
Kuhlenbrock im Mai: Der Kleingartenverein Glückauf 1927 wird hundert Jahre alt. Es gibt eine Kapelle, Erbsensuppe und drei Tage Fest. Und es gibt Schorsch Brenneke, seit elf Jahren Schriftführer, früher Vermessungsgehilfe beim Markscheider, der die Jubiläumschronik schreibt und dabei ein Problem hat: Zwei Protokolle aus dem Sommer 1998 widersprechen einander. Was im Juni beschlossen wird, ist zwei Wochen später schon erledigt.
Eine Woche vor dem Fest liegt er tot in seiner Laube. Ofen aus, alter Mann, alter Ofen. Die Feuerwehr prüft das Rauchrohr und findet nichts, und acht Tage lang glaubt jeder an ein Unglück.
Dann kippt der Fall — nicht wegen einer Spur, sondern wegen einer Lüge. Und ab da redet in der Trinkhalle Kaczmarek halb Kuhlenbrock über eine Witwe.
Bärbel Kaczmarek steht seit achtunddreißig Jahren hinter ihrem Tresen und hört alles, was in diesem Viertel gesagt wird — auch das, was zwischen den Sätzen steht. Zusammen mit Dr. Kessling, pensioniertem Lateinlehrer mit einem Archiv, für das ihn alle belächeln, geht sie den Dingen nach, die kein Mensch nachprüft: Protokollbücher, Wasseruhren, Gemeinschaftsstunden. Und irgendwann ist die Frage nicht mehr, wer den Schriftführer getötet hat, sondern warum vier Tage nach dem Sonnenwendfeuer 1998 eine Sickergrube verfüllt wurde, die erst im Herbst dran gewesen wäre.
Band 2 der Büdchen-Krimis: ein humorvoller Regionalkrimi aus dem Ruhrgebiet. Ein Kleingartenverein ist die Verwaltung im Kleinen — und die vergisst nichts. Abgeschlossener Fall, kein Cliffhanger — die Bände lassen sich unabhängig voneinander lesen.